Everest Winter solo

Was könnte denn schwieriger sein als den Everest im Winter ganz auf mich allein gestellt zu besteigen? Mir fiel nichts ein außer K2 Wintersolo - hahaha der ist verdammt hart aber was mich am K2 viel mehr abschreckt ist diese Wettkampfatmosphäre. Jeder will der Erste sein, der die Winterbesteigung des einzigen 8000ers macht, der noch nie im Winter bestiegen wurde. Mein Plan ist es nicht mit aller Gewalt den Gipfel zu erreichen, mir geht es vielmehr darum diese Expedition als eine Investition in die Zukunft zu betrachten. Ich werde das Mikroklima kennenlernen, die Route, den Berg - zu genau dieser Jahreszeit, in der ich ihn besteigen möchte. Der Gipfel ist Bonus. Und seien wir mal ehrlich - die Chancen sind gering, ich werde einfach mal schauen was geht, werde Spaß haben und wenn alles extrem gut läuft dann will ich natürlich den Gipfel in Angriff nehmen - und wenn das nicht geht dann werde ich guten Gewissens umdrehen, und all diese Erfahrung wird mich beim nächsten Versuch deutlich weiter bringen. So oder so - ich kann nur gewinnen.

10.09.2019 Ich habe einen Leistungstest mit Atemgasanalyse Belastungs- EKG und Laktatmessungen im Blut gemacht. Das Laufband konnte schon einiges an Steigung simulieren - war auf jeden fall nett, sonst habe ich die Messungen immer auf dem Ergometer gemacht, hier war es nochmal deutlich realistischer. Jetzt fahren wir gerade mit dem Filmteam nach München - morgen werden wir David Göttler treffen, ich bin ihm schon kurz am Berg begegnet als wir vorherige Dreharbeiten im Dezember angegangen sind. Ich finde den David megasympathisch und hoffe, dass er mich morgen mit ein wenig konstruktiver Kritik versorgt.

11.09.2019 War cool sich nochmal ein wenig auszutauschen. Bis auf dass David nicht an meinen Erfolg glaubt habe ich allerdings wenig gelernt. Er hat mich nochmal auf die Schwierigkeiten des Projektes hingewiesen, die mir schon bewusst sind (und die enorm sind) aber es schadet nie den Fokus nochmal zu schärfen. Was cool ist, ist seine Atemmaske die dafür sorgt, dass die Lunge in der trockenen Luft nicht austrocknet. Er hat mir noch den Hersteller der Atemmasken „Airflow“ verraten - so eine werde ich mir bestellen. Ich freue mich mega auf das Projekt, meine Ausrüstung von BlackYak habe ich abgeholt und mein Daunenanzug, den ich von Anfang an mitgestaltet und entwickelt habe, hat noch sein finishing bekommen. Ich habe mich diesen Winter beim Training in Alaska mit Polar Explorer Lonnie Dupré beraten und er verwendetet bei seinen Touren das Fell eines Vielfraßes. Dieses Fell weist besondere hydrophobe Eigenschaften auf womit es zu keiner Eisbildung im Gesichtsbereich kommt - die langen Haare sorgen für Luftverwirbelungen und schützen mein Gesicht vor dem schneidenden Wind. War gar nicht leicht dran zu kommen, aber da ich zufällig gerade in der Arktis unterwegs war hat sich doch noch eine Möglichkeit ergeben. Als ich Lonnie im August vom Segelboot aus schrieb war ich ziemlich besorgt. Es sollte dort 600 Dollar kosten. Zum Glück hat Lonnie mir die Entscheidung vereinfacht, er schrieb mir nur: „600 Dollar die dich ziemlich hoch am Everest bringen“

24.10.2019 "Wie willst du dich auf die Winterbesteigung des Everests vorbereiten?". Diese Frage habe ich in den letzten Wochen sehr häufig gestellt bekommen. Als ich Ende September nach Nepal aufgebrochen bin, begann für mich die Akklimatisierung für den Berg. Begleitet haben mich meine Schwester Sara und mein Vater Falk. Es war ziemlich cool, den Anfang der Akklimatisierung gemeinsam mit meiner Familie zu erleben. Außerdem können sie sich jetzt besser vorstellen, wo ich in den nächsten Monaten unterwegs bin. Nach ihrer Abreise ging es für mich raus aus Kathmandu, weiter zu meinem ersten Trainingsberg, dem bist dahin noch unbestiegenen Amotsang. Wie genau ich auf dem Gipfel angekommen bin, könnt Ihr hier nachlesen.

11.11 – 24.11.2109 Vom Peanutbutter Mountain über den Tashi Labsta Pass auf den Pachermo Peak. Angefangen hat alles in Kathmandu, wo meine Freundin Jënni am 08. November landete. Als erfahrene Ultra-Trail Läuferin ist sie selber ständig in den Bergen unterwegs und daher ein super Partner für die verbleibende Akklimatisierungsphase. Dafür ging es für uns erstmal ins Rolwaling Himal, ein sehr ursprüngliches, abgelegenes Tal mit wenig anderen Touristen. Dort hörten wir von einem namenlosen, möglicherweise sogar unbestiegenen 5000er. Der Berg liegt knapp unter der Grenze einer Genehmigung und war fußläufig vom Dorf erreichbar. Klar, dass wir da hoch wollten! Bevor wir den Berg in einem 18 Stunden Push angingen, tauften wir ihn spontan erstmal nach unserer aktuell wichtigsten Frühstückszutat: Peanutbutter. Auf den Peanutbutter - Mountain ging es für uns also zunächst über Pfade, dann Geröllgletscher, Eisgletscher und einige Eis- und Felskletterpassagen (zwar maximal im unteren 5. Grad, aber doch schon so, dass wir besser einige Stellen gesichert haben), bis kurz vor den Gipfel. Wegen eines stark mit Schnee und Eis überzogenen Granitaufbaus und der fortgeschrittenen Uhrzeit, verzichteten wir jedoch auf die letzten Meter. Insgesamt eine echt schöne, abwechslungsreiche Strecke mit einigen technischen Überraschungen! Nach einem Ruhetag wanderten wir weiter zum ziemlich hochgelegenen Tashi Labsta Pass. Dort auf 5700 Meter schlugen wir unser Camp für die Nacht auf, um am nächsten Morgen in Richtung Pachermo Peak (6259 Meter) aufzubrechen. Die Aufstiegsbedingungen waren einfach traumhaft! Obwohl es keine durchgehende Route gab, erreichten wir den Gipfel in einer guten Zeit. Oben wurden wir dann noch mit einer traumhaften Aussicht auf den Everest belohnt. Mit diesem Bild vor Augen, ging der Abstieg natürlich wie von selbst.